Der Augenblick ist die einzige Realität

„Bitte.“ Ich kann den Drang nicht benennen, die Sehnsucht nicht begründen. Ich rechnete nicht damit, dass sie tatsächlich noch da sein könnte. Höhnisch belächelte die beobachtende Stimme in meinem Kopf diese Hast, das verzweifelte Aufbäumen; verächtlich fragte sie: Was, wenn nicht? Hm? Was willst du denn schon tun? Und die Traurigkeit schlug bereits in mir…

Ich wollte nur, dass du noch weisst

Ich schrieb dir Briefe; nachts, mit schwarzer Tinte, dramatisch im Kerzenschein, und das Flackern umleuchtete, beschattete meine Verzweiflung. Ich hackte Worte und presste sie nebeneinander, ineinander; und je falscher es sich anfühlte, desto entschlossener wurde ich. Beim ersten Morgengrauen durch schneidende Kälte und Hoffnungslosigkeit gefahren, und Tränen des Selbstmitleids auf den Wangen; den Brief vor…

Ich will im Regen geküsst werden

Sie lächelt. Alles ist bunt. Der Regen und die Blätter, selbst aschfahle Asphaltschwärze liegt farbenfroh unter unseren Füssen. Wir denken im Zickzack, überschlagen uns dabei, greifen nach verrückten Ideen und lachen, während wir uns an beiden Händen fassen und uns dabei so schnell im Kreise drehen, dass uns schwindelig wird und wir gedankenlos von einer…

Worte sind wie Geschütze

Ich glaube, manche Dinge können nicht wieder gut gemacht werden.  Ich glaube, es gibt Worte, die so sehr verletzen, dass man sie nicht vergessen kann, nicht verzeihen. Und jedes Mal, wenn der Mensch, der sie ausgesprochen hat, dich nur ansieht, zuckst du unwillkürlich zusammen, verkrampfst dich, kannst nicht wie sonst sein, dich nicht wie sonst…

Wieder hob sie den Blick

Ein Gefühl, ich schmecke es auf der Zunge, auf der Haut, ich rieche es. Spüre es. Wie das Klingen einer Stimmgabel, wenn der ursprüngliche Ton mit den Ohren längst nicht mehr wahrnehmbar, das Vibrieren der Gabel aber noch spürbar ist; so fühlt sich das an, was in ihrem Blick mitschwingt. Ein bisschen.

Wer sich selbst belügt

Welches Bild wir von uns selbst haben. Welch verzerrtes, weichgezeichnetes Bild. Von uns, von unseren Mitmenschen. Ein Bild, geformt aus alltäglichem Geplauder, aus zusammengeschnipselten, aus dem Zusammenhang gerissenen Gesprächsfetzen, die man im rechten Licht herabrieseln lässt, und selbst davon erreicht nur die Hälfte das Gehirn des Gegenübers, kitzelnd, interessant, das wird gespeichert, der Eindruck, die…

Die Welt liegt dir zu Füssen. Ach ja?

Es fühlt sich manchmal danach an, ja. Manchmal, wenn man sich von Übermut und Lebenslust fluten lässt. Aber oft, viel zu oft fühlt es sich ganz und gar nicht danach an. Dann sehe ich eine überfüllte Welt, eine Welt, in der die Ignoranz regiert, die nur darauf wartet, uns zu zerquetschen; weder genüsslich noch schadenfroh,…

Ich hab’ mich längst ergeben schau in mein Gesicht

Ich rutsche weg, jedes Mal, wenn ich es versuche, versuche, es einzufangen, das Gefühl. Das Gefühl. Ich dachte, es würde genügen, ich mir selbst und dass ich jederzeit wieder zurück könnte. Fuck. Fuck. Durch die Stadt. Kopfsteinpflastergestolper. Gesichter im Schnelldurchlauf, zu schnell, um sie sich einzuprägen, wozu auch, wozu es überhaupt versuchen, vorbei, vorbei. Blick…

Lang ist diese Nacht, von allen die längste

Klischee Hinterhof. Vertrocknet, verschmutzt, verwahrlost. Die Hauswand starrt vor Dreck, der sich über Jahre hinweg kratzend und spuckend angeschmeichelt hat; aufgerissen haben Wind und Wetter den Putz, entblössen glasfaseriges Dämmmaterial, ein fingerdicker Draht zieht sich quer über das geschundene Bild.  In alter, bitterer Freundschaft lehnt die Treppe ein wenig schief an dieser Kneipe, das Geländer…

Der Wein ist gut

Musik und Wein und dieser Geruch, den ich nicht vergesse. Welche Rolle spiele ich? Ich habe den Text nicht parat, keiner souffliert, nur das Glas raunt mir wenig hilfreich Dinge ins Ohr, Fragen und ein bisschen Einsamkeit. Wir improvisieren, damit kennen wir uns aus, das Französische daran ist die leichtgenommene Schwere, das Wollen und Hinauszögern…