Welches Bild wir von uns selbst haben. Welch verzerrtes, weichgezeichnetes Bild. Von uns, von unseren Mitmenschen. Ein Bild, geformt aus alltäglichem Geplauder, aus zusammengeschnipselten, aus dem Zusammenhang gerissenen Gesprächsfetzen, die man im rechten Licht herabrieseln lässt, und selbst davon erreicht nur die Hälfte das Gehirn des Gegenübers, kitzelnd, interessant, das wird gespeichert, der Eindruck, die Empfindung.

Nicht das Tatsächliche.

Und anstatt danach zu suchen, suhlen wir uns in Selbstgefälligkeit. Geldgier, Machtgier; Gier nach mehr. Mehr ist nicht genug. Wir räkeln uns darin, wir sind stolz darauf. Wir verstecken nicht, wir geilen uns auf. Wir schämen uns nicht für unsere Abgründe, unsere verkommene Moral und dunklen Sehnsüchte. Emotionale Magersucht stellen wir zur Schau. Je kaputter desto besser, nur die Hülle zählt; wir sind ja so kaputt, wir sind so abgestumpft, auf der Suche nach dem nächsten Kick.

Gott, wie wir uns gefallen.

Taumeln mit seelenlosem Blick von einer Tanzfläche zur nächsten und merken gar nicht, wie wir den Halt verlieren. Dröhnen uns zu mit irgendwas, mit allem, was es gibt, und fühlen doch nichts.

Fühlen nichts mehr.

Und was bleibt, sind Fragen. Fragen wie, Wann hört das auf? Kann es überhaupt aufhören? Was ist das, ein Fluch? Die Suche nach dem Sinn?

Aber wir fragen nicht. Wir fragen nicht mehr.