Als ich die Diagnose bekam, rechnete ich nicht damit, deswegen Freund*innen zu verlieren. Ich brauchte zu dem Zeitpunkt starke Menschen um mich herum, die das mit mir durchstehen. Deshalb war das Gefühl auch wirklich schlimm, von einigen einfach im Stich gelassen zu werden.

Ich vermute hinter diesem Verhalten eine Art von Selbstschutz. Einige meiner Freund*innen wussten einfach nicht, wie sie mit meiner Krankheit umgehen sollten. Sie hatten Angst  – also mieden sie mich, weil sie dachten, ich würde es nicht schaffen. Sie wollten nicht emotional davon traumatisiert werden. Einige gaben das sogar offen zu: Sie hatten Angst um mich, weil sie nicht wussten, wie das für mich enden würde. Damals verwirrte mich das. Ich konnte es nicht nachvollziehen, also strich ich einige Freund*innen aus meinem Leben – ich meldete mich einfach nicht mehr bei ihnen. Das ist jetzt allerdings einige Zeit her und langsam versuche ich, ihr Verhalten zu verstehen.

Abgesehen von den emotionalen Herausforderungen waren es auch die praktischen Auswirkungen, die meine Krankheit auf das soziale Leben hatte, mit denen ihre Freund*innen zu kämpfen hatten. Ich fühlte mich oft schlapp, also konnte ich vieles nicht mehr machen.

Ein paar Leute waren wirklich toll und kamen mich oft besuchen – viele aber nicht. Allmählich hörten sie auf, sich bei mir zu melden und mich zu Treffen einzuladen. Ich schätze, ich wurde irgendwann einfach zu langweilig, so nach dem Motto: Ich fahre doch nicht bis zu ihm, um mir dann anzuhören, dass er zu müde ist.

Meine Krankheit zeigte mir, wer meine echten Freund*innen sind.

Jemand schickte mir zum Beispiel vor jeder Therapie ein motivierendes Mail. Ein Freund, der mich zum Abschied immer umarmt und dabei sagt »Schön, dass du da bist«. Und einmal schrieb mir eine Freundin, sie sei stolz darauf, dass sie für mich so einen Wert hätte, dass ich trotz meiner Schmerzen immer wieder Zeit für sie habe.

Ja. Manche Menschen auch ausserhalb der Familie sind immer da: Sie hören mir einfach zu. Sie verbringen ganz normal Zeit mit mir.

Es sind diese kleinen Dinge, die mir wirklich was bedeuten.