Nach Mitternacht ist’s. Ich schreibe aus mir heraus, meine Gefühle, meine Gedanken. Sie gehören dann nicht mehr nur mir, selbst wenn niemand sie liest.

Wenn nur ich bisweilen diese getrockneten, gepressten Gedankenblüten betrachte – hat sich sofort etwas verändert.

Das Schreiben wäscht etwas aus mir heraus, die Buchstaben fangen es ein und lassen den erlebten Moment erstarren. Erstarren, weil er mit Worten beschrieben wurde. Gedanken sind anders, sind mehr, sind nicht nur Worte.
Und dann überwiegt wieder der Drang, der Wunsch, etwas festzuhalten. Manchmal gelingt es, manchmal weiss man, genau so ist es gewesen, und man liest es wieder und wieder und die Worte tropfen von den Lippen, schmecken wie Honig, wie Salz und Zitrone.

Ist es möglich, dass andere Menschen, wenn sie die Dinge nicht aus sich herausschreiben, mehr davon haben?

 

 

Du gibst mir plötzlich die Hand. Seit wann bist du hier? Seit wann überhaupt bin ich nicht mehr allein? Wieso sagst du nichts? Du liebst die Ruhe, wie ich. Schweigen und hören vereinen sich, denn sie lächeln gleichzeitig. Danke, dass du hier bist. Schön, wach mit dir zu träumen.
(Annina)