Als ich das Wasser in die Kanne giesse, steht sie hinter mir. Warmer Atem fliesst in meinen Nacken. Ihre Hitze, verursacht mir Schwindelgefühl und ich muss die Pfanne absetzen.
„Vorsicht heiss“, sage ich leise.
„Ja, sehr heiss“, flüstert sie und ihre Lippen kitzeln mein Ohr. Wenn ich nicht gleich sitzen kann, werde ich ohnmächtig, denke ich, als ich ihre Hände auf meinem Bauch spüre. Meine Knie werden weich und ich staune über mich. Was mache ich hier?

Als ich mich umdrehe lässt sie die Hände sinken. Diese schönen Hände, mit den schlanken Fingern, die meine Haut in Brand setzen und mein Blut in Lava verwandeln. Ich wünsche sie zurück an meinen Körper. Schweigend sieht sie mich an.
Ihre Augen leuchten wie dunkle Fackeln. „Ich will mit dir schlafen“, höre ich mich sagen. Sie lächelt und drückt mich an sich.

Ich will dich küssen, spüren, schmecken, denke ich. Mit beiden Händen umfasse ich ihr Gesicht, streiche durch ihr Haar und geniesse dieses Gefühl zwischen den Fingern. Kühle Lippen berühren meine. Ich fühle mich wie unter Wasser und schwimme nackt mit der Strömung. Wasser ist in meinen Augen, meinen Ohren. Es ist überall und ich ergebe mich willig diesem sanften Schweben, das mich weg spült aus der Küche, aus dieser Stadt und aus dieser Welt.

Im Schlafzimmer ist es dunkel. Sehnsucht und Sex. Wir lassen uns in die Decken sinken und ich will nur noch ihre Haut auf meiner. Kein Gestern und kein Morgen. Kein Ich, kein Du und kein Denken.

Was für eine ungewöhnliche Taufe, denke ich lächelnd und heisse das neu eroberte Ufer mit seinen lustschwangeren Düften willkommen wie eine Blüte das erste Sonnenlicht im Frühjahr. Tief schmiegen wir uns Bauch an Rücken in die Decken und ein nie gekanntes Gefühl von Vertrautheit will mich hinüber tragen in einen alles verwandelnden Schlaf, der mich hinaus hebt aus der Welt, die ich kannte. Für diesen Augenblick will ich vergessen, wie Rotwein schmeckt und wer Vivaldi war.

Der Schlaf holt mich mit sanfter Flut und ich vergesse alles.